Zugegeben, der Lack ist bereits ein bisschen ab, es bröckelt an der Fassade und die Gelenke sind auch nicht mehr so elastisch wie vor 20 Jahren. Trotzdem fühle ich mich heute attraktiver. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mich mit meinem ü50 Körper angefreundet habe. Manchmal haderte ich sogar damit.

Dieses Bild entstand vor fast genau 20 Jahren – im April 1998. Meine beiden Jungs waren 10 und 8 Jahre alt. Es drehte sich alles um die Familie. Zu dieser Zeit war ich nicht berufstätig. Ich hatte mich dafür entschieden, eine Kinderpause einzulegen und arbeitete nur einige Stunden die Woche als Aushilfs-Schreibkraft in einer Anwaltskanzlei.

Auf dem Foto wirke ich ein wenig schüchtern – oder erschöpft? Kurz zuvor hatte ich bei einem Familienausflug die 341 Stufen zur Aussichtsplattform des Ehrenmals in Laboe geschafft. Anschließend sagte man mir, dass dort ein Fahrstuhl vorhanden ist.

Natürlich fühlte ich mich auch in dieser turbulenten Zeit attraktiv. In vielen Dingen war ich allerdings unsicher. Mache ich als Mutter in der Erziehung alles richtig? Bin ich eine gute Ehefrau? Meine Haare schnitt ich mir mit einer Maschine selbst. Damals fand ich das mega cool. Ich war für einige Jahre die Frisörin der Familie. Das sparte Geld.

Als die Kinder aus dem gröbsten raus waren, fing ich wieder an zu arbeiten – mit einem 3/4 Tag. Das war eine riesen Umstellung. Ab diesem Zeitpunkt begann ich, mich nicht nur um die Belange meiner Familie zu kümmern, sondern auch um meine eigenen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die arge Hautprobleme im Gesicht mit sich brachten, beruhigte sich die Situation langsam.

Die Pubertät der Kinder war noch einmal eine ziemlich große Herausforderung. Zwei pubertierende Jungs, die nur zwei Jahre auseinander waren. Dazu muss ich nicht viel sagen, oder? Man wächst mit seinen Aufgaben.

Es hat Vorteile, wenn man sich in der Familie als einzige Frau unter drei Männern behaupten muss. Das wirkt sich auch im Berufsleben aus. Im Jahr 2000 starte ich berufsmäßig wieder durch. Im Laufe der Jahre konnte ich mir in dem Unternehmen ein gutes Standbein schaffen.

An Selbstbewusstsein mangelte es mir ja noch nie. Auch bin ich nicht auf den Mund gefallen. Wer mich kennt, weiß das. Die Souveränität von heute hatte ich vor 20 Jahren allerdings noch nicht.

Daher machen mir ein paar Falten im Gesicht und ein paar Pfunde mehr auf den Rippen heute nichts mehr aus. Ich fühle mich angekommen. Wenn man sich selbst in seinem Körper nicht wohlfühlt, überträgt sich die Ausstrahlung auf die Mitmenschen.

Ich glaube, es geht vielen Frauen in meinem Alter so. Das macht die Attraktivität der ü50 jährigen heute aus.