Als Waage-Mensch hat man es nicht leicht. Die Waage ist immer auf der Suche nach Harmonie und Gleichgewicht. Und das ist nicht nur so dahergesagt. Schon als Kind ging ich jedem Streit aus dem Weg. Ich mag es nicht, wenn es laut wird. Ich mag es auch nicht, wenn Andere sich streiten.

Bei aller Harmoniebedürftigkeit hatte ich aber schon immer meinen eigenen Kopf.

Dass ich nicht gern streite bedeutet nicht, dass ich nicht diskutiere und meine Meinung sage. Oder dass ich mir alles gefallen lasse. In meiner Jugend schoss ich jeden Jungen zum Mond, der es nicht gut mit mir meinte. Wirklich. Während sich andere Mädchen in meinem Alter in Liebeskummer stürzten war ich recht besonnen. Natürlich hatte ich auch mal Liebeskummer. Der hielt sich aber in Grenzen. Meistens war ich sauer und dachte: “Der Typ kann mich mal. Der hat mich sowieso nicht verdient!”

Schwierig wird es, wenn Dich jemand ändern will und so hinbiegen, wie er es für richtig hält. Das geht meistens in die Hose. Man kann einen Menschen nicht grundlegend ändern. Sobald das einer bei mir versucht mache ich dicht. Dann werde ich trotzig und denke: “Jetzt erst recht!” Umgekehrt genau so. Es macht überhaupt keinen Sinn, eine andere Person zu verbiegen. Du hast es schließlich nicht mit einer Puppe zu tun. Wenn mir an einem Menschen etwas nicht gefällt bin ich mit meinen Äußerungen sehr vorsichtig und diplomatisch. Zu schnell kann man sein Gegenüber verletzen.

Es macht doch viel mehr Sinn, mit Diplomatie zu versuchen, jemand selbst auf die Idee zu bringen, negative Verhaltensweisen zu ändern, oder? Wenn derjenige das nicht allein kann, sollte man ihm Hilfe anbieten oder dezent darauf hinweisen. Oder vielleicht einfach mal den Mund halten. Nicht alles wird so heiß gegessen wie es gekocht wird. Manche Menschen müssen einfach so “aufgeschlissen” werden wie sie sind. Solange sie niemandem mit ihrem Verhalten schaden ist doch alles gut.

Man muss auch mal nein sagen können

Nein sagen. Das musste ich im Laufe meines Lebens erst lernen. Für mich ist es reiner Selbstschutz. Wenn ich mir im Job nicht hin und wieder Grenzen gesetzt hätte, wäre ich nicht in meiner heutigen Position. Bevor mich der Burnout erwischte, wechselte ich lieber die Aufgaben.

Im privaten Bereich ist es nicht anders. Jeder Mensch ist für sich und sein Wohlergehen selbst verantwortlich. Ein bisschen Egoismus hat noch niemandem geschadet.

Ich bin nicht beratungsresistent

Ich bin ein Mensch, der sich über Gott und die Welt Gedanken macht. Früher neigte ich dazu, es allen Leuten recht machen zu wollen. Man könnte sich ja unbeliebt machen. Heute mache ich mich lieber unbeliebt. Vielleicht ist das nicht immer der bequemste Weg. Ich fühle mich dabei oft unbehanglich. Wie gesagt, Konflikte und Streitereien mag ich nicht.

Wenn ich eine Meinung habe vertrete ich sie. Das heißt aber nicht, dass ich beratungsresistent bin. Gute Argumente können mich davon überzeugen, meine Meinung auch mal zu ändern.

Der Ton macht die Musik

Eine Große Rolle spielt die Art und Weise, wie man mit seinem Gegenüber umgeht. Ich bin dafür, dass dies immer auf Augenhöhe geschieht – in einem höflichen Ton.

In diesem Sinne wünsche ich Dir einen schönen 1.Mai. Wo auch immer Du bist. Am Maibaum, auf einer Kundgebung zum Tag der Arbeit oder im Kreise Deiner Familie.