Es ist wie in einer Geisterstadt. Wenn Du in Kiel von der Holstenbrücke Richtung Alter Markt gehst, ist es wie ausgestorben. Viele leere Geschäfte. Meine Freundin wollte in einem bekannten Schuhgeschäft am Alten Markt Schuhe fürs Enkelkind kaufen. Kinderschuhe gibt es dort nicht. Anscheinend ist die Nachfrage zu gering. Vor kurzem machte nicht nur ein lang eingesessenes Schuhgeschäft dicht. Auch ein Herrenausstatter mit Tradition schloss seine Pforten.

Blick Richtung Holstenbrücke – rechts geht es zum Alten Markt

Die Einkaufsmeile in Kiels Innenstadt zieht sich in die Länge. Sie reicht vom Sophienhof am Bahnhof bis zum Alten Markt. Als ich von Schleswig in die Nähe von Kiel zog, fand ich die Stadt kalt und hässlich. Mittlerweile habe ich mich an den Anblick gewöhnt. Es gibt viele schöne Ecken in Kiel. Die Innenstadt wurde lange vernachlässigt.

Natürlich hat es die Stadt im zweiten Weltkrieg hart getroffen. Vor allem die Altstadt war nach den Bombenangriffen weitestgehend zerstört. So findet man mitten im Zentrum kaum noch historische Gebäude, sondern viel Beton.

Außerhalb der Innenstadt entstand vor 11 Jahren der Citti-Park, ein Einkaufszentrum über zwei Ebenen mit kostenlosen Parkplätzen. Das lockt die Besucher anscheinend mehr als die öde Innenstadt. Vom Kieler Hauptbahnhof gibt es eine direkte Busverbindung dorthin. So kommen nicht nur Touristen von den Fähranlegern bequem zum Citti-Park.

Was macht shoppen in der Kieler Innenstadt unattraktiv?

Marke Einheitsbrei

Das muss ganz klar gesagt werden. In der Kieler Innenstadt gibt es nur wenige individuelle Geschäfte. Wenn überhaupt, halten sich die Großen, die man in jeder Stadt findet. Ich nenne hier absichtlich keine Namen. Vielleicht liegt es daran, dass es in Kiel keine kleinen Gassen gibt, in denen etwas zu entdecken ist – wie beispielsweise in Flensburg oder Bremen. Wenn ich nicht einmal einen “Friesennerz” für Erwachsene in den Geschäften finde, ist das schon traurig.

Schlechte Verkehrsanbindung

Autofahrer haben zu Stoßzeiten Mühe, einen Parkplatz zu finden. Wenn, dann ist das teuer. Die Busverbindungen aus dem Umland gehen einigermaßen. Es dauert, bis man in der Stadt ist. Hier hat sich bereits einiges getan. Das Problem ist die Fahrt über den Nord-Ostsee-Kanal. U- und S-Bahn würde hier nicht funktionieren. Die Kieler Straßenbahn gibt es seit Mai 1985 nicht mehr.

Für eine einfache Busfahrt von meinem Ort in die Kieler Innenstadt zahle ich zurzeit 2,80 €. Ein Mehrfahrtenschein ist nicht wesentlich günstiger.

Es tut sich was im Paradies

Kiels Innenstadt soll endlich attraktiver werden. Die Bereiche Berliner Platz und Holstenbrücke rund um den Kleinen Kiel werden momentan grundlegend ausgebaut. Es soll ein Kanal entstehen (Kleiner Kiel-Kanal), der bis fast an den Kleinen Kiel heran reicht. Momentan ist es ziemlich ungemütlich. Überall Baufahrzeuge und Lärm. Alte und neuere Gebäude wurden abgerissen.

Der gesamte Bereich ist für Autofahrer gesperrt. Zukünftig wird es nur noch Busverkehr an der Holstenbrücke geben. Für Ende 2019 ist die Fertigstellung geplant.

Leere Geschäfte in Kiel rund um den Alten Markt und an der Holstenbrücke

Ich bin ziemlich gespannt auf das Ergebnis der Baumaßnahmen. Es geht nicht nur darum, möglichst komfortabel einzukaufen.

Es geht vielmehr darum, dass man sich in der Innenstadt von Kiel gern aufhält – bei einer Tasse Kaffee oder anderen Aktivitäten.

Blick auf den Alten Markt

Verwaiste Innenstädte findet man immer mehr. Kleinstädte und kleine Ortschaften trifft es noch viel härter. Und es liegt nicht nur am Online-Boom. Die Menschen haben heute andere Bedürfnisse. Sie wollen eine zentrale Stelle, an der sie alles bekommen, was das Herz begehrt.

Was meinst Du? Was macht eine attraktive Innenstadt aus?

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