Es kommt selten vor, dass ich gar nicht weiß, wie ich anfangen soll. Im Fernsehen und in den sozialen Netzwerken sieht man Tag für Tag viel Elend und entsprechend schlimme Bilder. Manche ziehen an mir vorbei. Manche bleiben in meinem Kopf. Wie Bilder von toten Menschen.

Mir fällt es nicht immer leicht, die Nachrichten im Fernsehen anzuschauen. Überall Krieg, Terror und Leid. Auf der anderen Seite Glamour, Glanz und Gloria. Im Fernsehen rauschen die Bilder oft an einem vorbei. Man kann gar nicht so schnell alles erfassen. Oft schalte ich weg, weil ich so viel Leid nicht ertragen kann.

Ähnlich ist es in den sozialen Netzwerken. Vor allem auf Facebook findet man oft sehr intime Bilder von privaten Nutzern. Dabei ist das Wort intim nicht unbedingt sexuell zu deuten.

Wie viel Intimität vertragen private Bilder in den sozialen Netzwerken?

So hat mich ein Bild vor einigen Tagen besonders erschüttert:

Eine Frau zeigte ihren gerade verstorbenen Lebensgefährten und sich selbst als Selfie auf Facebook. Die Frau befand sich im Zimmer des Krankenhauses neben dem Sterbebett des Mannes auf einem Stuhl sitzend. Sie war unglaublich traurig und tat das kund, was ich gut nachvollziehen kann.

So groß die Trauer auch ist. Ein sterbender oder toter Mensch sollte mit Respekt behandelt werden.

Für mich geht das eindeutig zu weit.

Tote und Sterbende kann man nicht mehr fragen, ob sie fotografiert werden wollen und ob das Bild dann auf Facebook oder sonstwo veröffentlicht werden darf.

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Post überhaupt veröffentliche. Den Text habe ich stark gekürzt und mehrere Nächte darüber geschlafen. Es ist relativ leicht, den Zeigefinger zu erheben und über andere Menschen zu urteilen, ohne den Hintergrund zu kennen.

Manchmal wünsche ich mir etwas mehr Menschlichkeit und vor allem Sensibilität im Social Media. Nicht alles gehört in die Öffentlichkeit. Mir wäre es niemals in den Sinn gekommen, eine unserer verstorbenen Katzen zu fotografieren, geschweige denn, die Bilder ins Netz zu stellen.

Als meine Mutter nach einer schweren Krebserkrankung verstarb, habe ich sie noch einmal gesehen. In diesem Moment war ich mir ihr allein. Das bleibt in meinem Gedächtnis. Es war meine Entscheidung. Allein der Gedanke, dass dieses Bild im Netz “herumgeistern” könnte, wäre für mich unerträglich.

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